Mit ganz unterschiedlichen Techniken und verschiedenen Weidearten schafft Daniel Schenk individuelle Kunst- und Gebrauchsobjekte. Foto: Volker Münch

 

 

 

Daniel Schenk aus Niederweiler ist einer von wenigen Korbflechtern

 

 

 

Von Volker Münch

 

So, 07. April 2019 um 10:47 Uhr

 

Müllheim

 

Korbflechter, die ihr Handwerk noch professionell betreiben, gibt es in Deutschland nur ganz wenige. Der 33-jährige Daniel Schenk aus Niederweiler ist einer von ihnen.

 

 

Behältnisse aus Naturmaterialien, kunstvoll geflochten, sind nicht nur Gebrauchsgegenstände, sondern auch Ergebnis eines ganz besonderen Kunsthandwerks. Das Flechthandwerk ist 2013 als immaterielles Kulturerbe der Unesco gewürdigt worden. Doch nur ganz wenige Menschen betreiben es professionell. So wie Daniel Schenk aus Niederweiler, der die dreijährige Ausbildung genossen hat, kunsthandwerklich in der eigenen Werkstatt arbeitet und die Flechttechnik bei verschiedenen Anlässen gerne an Interessierte weitergibt.

 

 

 

Korbflechten zählt zu den aussterbenden Lehrberufen

 


Nur eingefleischte Kenner des Flechthandwerks und natürlich die Nachbarn des jungen Korbflechters wissen, wo die Werkstatt in Niederweiler beheimatet ist. Eine Hinweistafel an der Lindenstraße weist zu dem kleinen Handwerksbetrieb, der in zweiter Reihe in einem malerischen Hinterhof liegt und sich den Platz mit den Hühnern seiner Vermieter teilt. Der 33-jährige Daniel Schenk stammt aus Oberfranken, wo das Flechthandwerk eine Hochburg hat. Dort, an Europas einziger Schule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels, hat er von 2003 bis 2006 die dreijährige Ausbildung zum staatlich anerkannten Korbflechter absolviert. Heute gehört er zu ganz Wenigen, die erfolgreich diese Ausbildung abgeschlossen haben. Korbflechten zählt eher zu den aussterbenden Lehrberufen.

 

Auf Kunsthandwerkermärkten kommen seine Arbeiten sehr gut an

 


Darüber hinaus genoss der Wahl-Niederweiler eine Ausbildung zum Arbeitstherapeuten und Arbeitserzieher. Diese Kombination führte ihn nach der Ausbildung von Oberfranken nach Umkirch, wo er im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres in einer Caritas-Einrichtung in der Korbflechterei mitarbeitete. Daniel Schenk entschied sich dann, als Korbflechter in die Selbständigkeit zu gehen. Er bezog erst in Badenweiler ein Ladengeschäft und siedelte 2014 mit seinem Betrieb und seiner Wohnung nach Niederweiler um.

 


Zurück zu seinen Anfängen: "Ich bin da irgendwie reingerutscht, nachdem Flechtarbeiten in meiner Heimat an allen Ecken und Enden zu finden sind", erinnert sich Daniel Schenk. Eigentlich stand die Wahl zur Handwerksausbildung als Korbflechter bei ihm nicht an oberster Stelle. "Ich sagte mir, ich probiere das einfach mal aus", erklärt er. Seine Begeisterung für das Flechthandwerk wuchs bis zum Ende seiner Ausbildung. "Als ich mit meinen ersten eigenen Produkten auf Kunsthandwerkermärkte ging und ein tolles Feedback bekam, wusste ich, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe", sagte Schenk.

 

"Ich habe es bis heute nicht bereut. Das Flechten ist ein tolles Handwerk." Daniel Schenk

 

Mit der in ihm gewachsenen Leidenschaft war der Weg nun vorgezeichnet: Daniel Schenk entschied sich für die freiberufliche Handwerkertätigkeit. Auch wenn man beim Flechten nicht reich werden kann, für den eigenen Lebensunterhalt reiche es allemal, sagt er. "Ich habe es bis heute nicht bereut. Das Flechten ist ein tolles Handwerk", betont der junge Freiberufler.

Es geht Schenk um das Material, um die praktisch unbegrenzte Formenvielfalt und vor allen Dingen um die Vielzahl von Flechttechniken. "Ein Lehrer hatte mal gesagt: Um alle Flechttechniken, die es gibt, erlernen zu können, braucht es drei Leben", erinnert sich Schenk. Und damit ist auch schon erklärt, warum es dem jungen Kunsthandwerker nicht langweilig werden kann: Praktisch jedes Einzelstück fordert ihn durch seine individuelle Verarbeitungs- und Gestaltungsweise heraus.

Heute beherrscht der gebürtige Oberfranke eine Vielzahl von Fechttechniken. "Viele davon habe ich mir erst nach der Ausbildung entweder selbst beigebracht oder im Austausch mit Arbeitskollegen erlernt", erzählt er weiter. Sein Markenzeichen sind verschiedene Farben in seinen Flechtwaren, sehr feine Flechtarten und immer wieder auch Holzstücke – Schenk nennt sie organische Einzelstücke – die seinen Korbwaren eine ganz besondere Note geben. Am liebsten arbeitet er an freien Projekten, bei denen er sich treiben lassen und die endgültige Gestaltung im Entstehungsprozess bestimmen kann.

 

Manche Korbobjekte brauchen viele Stunden

 


Neben diesen betont künstlerischen Produkten übernimmt er auch immer wieder Auftragsarbeiten. Manchmal geht es um Korbwaren, die auf ein ganz bestimmtes Maß gearbeitet werden müssen oder einfach repariert werden sollen. Immer wieder flechtet Daniel Schenk auch Zäune und ähnliche Produkte. Seine Materialwahl fällt in der Regel auf die Weide. "Es gibt etwa 400 verschiedene Sorten. Je nach Rinde oder auch geschält ergeben sich unterschiedliche Farb- und Helligkeitstöne", erklärt er weiter. Weide lässt sich gut trocknen und wird zur Verarbeitung wieder eingeweicht. Für ihn ist dieses elastische Naturmaterial die erste Wahl.

Es gibt aber auch andere Materialien wie Hartriegel, Haselnuss oder Rattan. Manchmal dauert es viele Stunden, bis ein aufwändig gestaltetes Korbobjekt fertiggestellt ist. "Es ist alles Handarbeit. Es gibt bis heute keine maschinelle Verarbeitung beim Flechten", betont der Kunsthandwerker.

 

Tipps und Kurse

 


Meist findet man die Körbe des gelernten Flechters bei Kunsthandwerkermärkte, wo er seine Flechtkunst auch gerne vorführt. Interessierte können ihm an zwei Tagen in der Woche, darüber hinaus auch nach Vereinbarung, über die Schulter schauen und gerne eines seiner schönen Objekte kaufen. Er bietet auch Kurse im Korbflechten (zwei Tage) und für kreatives Flechten (ein Tag) an.

Am Ende hat er noch einen Tipp zur Pflege von Korbgeflechten: Es braucht etwas Luftfeuchtigkeit, damit das Naturmaterial nicht total austrocknet. Stehen Korbmöbel und Flechtobjekte beispielsweise in einem sonnenbestrahlten Wintergarten oder in trockener Heizungsluft, sollte man die Objekte hin und wieder mit einem feuchten Lappen abreiben. Übrigens: zu viel Feuchtigkeit ist ebenfalls schädlich. Treffen kann man Daniel Schenk beim ersten Flechtermarkt am 13. April bei der Altenberghalle in Sulzburg-Laufen, den er mitorganisiert hat.

Mehr Informationen gibt’s auf Schenks Internetseite

 

 

 

 


 

Plattform für Flechtwaren

 

 

 

Von Volker Münch

 

Fr, 12. April 2019

 

Sulzburg

 

Touristik-, Kultur- und Gewerbeverein Sulzburg richtet am Samstag ersten Flechtermarkt aus.

 

 

SULZBURG-LAUFEN. Erstmals organisiert der Touristik-, Kultur- und Gewerbeverein einen Flechtermarkt. Am Samstag, 13. April, treffen sich dazu mehrere ausgebildete Korbflechter bei der Altenberghalle in Laufen. Dabei haben sie eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen, teils künstlerisch gestalteten Korbwaren. Doch noch viel wichtiger ist: Die Besucher können die Korbflechter bei deren Arbeit beobachten und mit ihnen auch ins Gespräch kommen.

 

"Es gibt so viele alte, historische Darstellungen, auf denen Körbe und andere Flechterarbeiten zu sehen sind", erzählt Gabriele Hotz vom Touristik-, Kultur- und Gewerbeverein. Als ausgebildete Lehrerin für Erziehungshilfe macht sie ihren Schützlingen kreative Angebote. Dazu gehören auch Weidehütten, die sie mit den Kindern und Jugendlichen zusammenbaut. Die Flechttechnik hat die kreative Sulzburger Lehrerin, die schon andere Projekte in Sulzburg ins Leben gerufen hat, in ihren Bann gezogen. "Ich habe schon in anderen Orten und Regionen entsprechende Märkte besucht", erzählt sie. Und weil Körbe in der Vergangenheit, beispielsweise im Markgräfler Weinbau, eine Rolle spielten und deshalb auch immer wieder ein Motiv in Ölgemälden etwa des bekannten Künstlers Adolf Riedlin waren, hatte Gabriele Hotz die Idee, eine Plattform für Flechtwaren zu initiieren. "Natürlich werden die Produkte auch angeboten. Viel wichtiger ist es aber, die Vielseitigkeit dieser Handwerkskunst einer interessierten Öffentlichkeit vorzustellen."

Hier engagiert sich der gelernte Korbflechter Daniel Schenk aus Niederweiler, der zu diesem Flechtermarkt bei der Altenberghalle in Laufen am kommenden Samstag einige Kollegen mitbringen wird. Ideal ist, dass der Flechtermarkt am Samstag zeitgleich mit dem Frühlingsfest der benachbarten Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin stattfindet (sie nebenstehenden Bericht). "Wir wollen die Vielseitigkeit auch mit Workshops untermauern", so Daniel Schenk. Dabei ist auch Clara Walter, eine angehende Flechtwerkgestalterin wie der Ausbildungsberuf des Korbflechters nun neudeutsch heißt. Heute ist das Flechthandwerk als immaterielles Kulturerbe bei der Unesco eingetragen und gilt als ein sehenswertes Traditionshandwerk. Entdeckt wurde Schenk von Gabriele Hotz bei der Landesgartenschau in Kehl vor einigen Jahren.

 

 

 

Der Flechtermarkt findet morgen, Samstag, 13. April, 10 bis 18 Uhr, statt. Ein Workshop mit dem Titel "Rasseltechnik" beginnt um 11.30 Uhr, dauert zwei Stunden und kostet 25 Euro. Es sind weder Vorkenntnisse noch eine Anmeldung notwendig. Um 15.30 Uhr beginnt der nächste Workshop, bei dem Linsenkörbchen geflochten werden. Dieser Workshop eignet sich sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, dauert eine Stunde und kostet zehn Euro. Ferner gibt es Flechtvorführungen.